„Stellen mit der Gießkanne abgebaut“ – bei VW formiert sich Widerstand

Das nächste Sparprogramm spaltet den Konzern. Zum Tag der Aufsichtsratssitzung protestierten Arbeitnehmer im ganzen Land, die Stimmung ist aufgeheizt. Dabei ist das nur der Anfang.

Wolfsburg, Stuttgart. Eine Stunde bevor im Markenhochhaus des Volkswagen-Konzerns die entscheidende Aufsichtsratssitzung beginnen sollte, hatten sich schon Hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor dem Gebäude in Wolfsburg versammelt. Mit Pfeifen und Sirenen trillerten und hupten sie ihre Botschaft bis in die obersten Etagen: Wir warnen euch und sind bereit für den Konflikt.

Vor den wehenden Gewerkschaftsflaggen standen Betriebsratschefin Daniela Cavallo und IG-Metall-Chefin Christiane Benner, sie stimmten die Belegschaft auf eine „verdammt schwere Zeit“ ein. Denn an diesem Donnerstag wollte Vorstandschef Oliver Blume seinen Plan vorlegen, der über die Zukunft von Zehntausenden Beschäftigten entscheiden könnte. Ein Mitarbeiter schaute sich das Wolfsburger Geschehen von der anderen Seite des Zauns an.

Seine Stelle? Er war mal Entwickler, der Job ist längst weg. Bis nächste Woche nehme er am konzerneigenen Transformationsprogramm teil. Danach sei er im sogenannten Personalüberhang, „auf Deutsch: Springer“. „Die Stimmung in der Belegschaft ist extrem schlecht“, sagte er. Das Management baue die Stellen mit der Gießkanne ab, Hauptsache, die Kostenziele würden erreicht. Logisch erscheine das nur den wenigsten.

Eigentlich hatte der Mann eine klassische VW-Karriere, war seit 35 Jahren im Konzern, stieg kontinuierlich auf. Inzwischen sei selbst sein Sohn bei VW. Aber auch der habe Angst, dass der Job nach ein paar Jahren wieder weg ist. Ob die Arbeitnehmer das Problem wirklich lösen können, bezweifelt der Mann: „Auch das Vertrauen in die Arbeitnehmervertreter bröckelt bei vielen“, sagte er.

Der Streit über die Zukunft von Europas größtem Autokonzern wird jetzt öffentlich ausgetragen – und zwar laut. Die Kritik richtet sich vor allem gegen Konzernchef Blume, der vor dem Aufsichtsrat schärfere Kostenziele, schlankere Strukturen und noch mehr Arbeitsplatzabbau forderte. Mit seinem Plan für Volkswagens Zukunft will er die Marge halten, obwohl der Fahrzeugabsatz weiter schwächelt. Was auch immer bei der Sitzung im Kontrollgremium herauskommen sollte: Schon jetzt sind die Fronten verhärtet, der Kampf hat gerade erst begonnen.

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Co-Autoren: Lazar Backovic, Martin-W. Buchenau, Felix Stippler

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Wie verdient man Millionen mit Après-Ski, Karneval und Ballermann?

Steffen Haas alias Peter Wackel ist seit 30 Jahren Partysänger. Doch sein Kerngeschäft ist längst nicht mehr die Malle-Musik. Einblicke in das Multimillionen-Business eines Alleinunterhalters.

Playa de Palma, Baiersdorf, München. Mit Sektglas in der Hand und Zebrahemd am Oberkörper schreitet Peter Wackel durch die Katakomben der Münchener Olympiahalle. Noch eine Stunde bis zu seinem Auftritt bei der „Schlagernacht“, aber er muss jetzt erst mit Anton sprechen, dem Backstage-Caterer, der Schnäpse aus der Tiefkühltruhe fingert.

„Die vegane Ente brauche ich im November nicht“, sagt Wackel. „Mir ist das hier auch zu viel Auswahl.“ Die ganze Crew, egal ob Techniker oder Künstler, solle bitte das gleiche Essen bekommen. Dann stoßen sie beide mit Jägermeister an, Prost.

Der Caterer, der noch schnell eine Anekdote von Udo Lindenbergs Unfall mit einem Schokobrunnen erzählt, wird auch im Spätherbst in der Kölner Lanxess-Arena hinter der Theke stehen, wenn Wackel sein 30. Bühnenjubiläum feiert. Und der Sänger denkt schon jetzt, an diesem Märzabend, an jedes Detail für seinen großen Tag. Acht Stunden will der 49-Jährige dann die größte Konzerthalle Deutschlands bespielen: mit Mallorca-Hits, Karnevalsongs, Schlager. Mit Liedern wie „Inselfieber“, „Joana, du geile Sau“ und „Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr“.

Es wäre zu einfach, Wackel als schlüpfrigen Barden abzustempeln, der über Jahrzehnte mit Sauf- und Partyliedern Kasse gemacht hat. Zwar steht er noch immer jeden Sommer zweimal die Woche am Ballermann auf der Bühne. Aber seine Singerei ist längst nicht mehr das Hauptgeschäft.

Wackel, der mit bürgerlichem Namen Steffen Peter Haas heißt, hat um seine eigene Marke herum ein Business mit mehr als 30 Mitarbeitern aufgebaut. Er ist Reiseveranstalter, Hotelier und Investor, hat in Namibia eine Schule finanziert, betreibt eine Hühnerfarm und will nun ein Gesundheitszentrum aufbauen.

Wie ist dem gebürtigen Erlanger, der einst durchs Abitur fiel, dieser ungewöhnliche Aufstieg gelungen? Ohne Studium, ohne Kreditfinanzierung, ohne Förderer? Das Handelsblatt hat den Sänger in den vergangenen Monaten mehrfach bei Auftritten begleitet. Dabei hat sich Haas auch erstmals detailliert zu seinen bis dato streng geheimen Gagen geäußert – und seinem mehrfachen Millionenumsatz, den er pro Jahr erreicht.

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Top Gun aus Hallbergmoos – Warum der Eurofighter auf Social Media so erfolgreich ist

Lange wurde Europas Kampfjet „wie ein Staubsauger“ vermarktet. Heute hat Florian Taitsch mit seiner „Fighter Show“ Millionenreichweiten. Das zeugt von einer neuen Logik von Verteidigungs-PR.

München, Hallbergmoos. Der Influencer, der sonst mit grauer Fliegerjacke oder olivgrünem Overall auf Militärbasen und Rollfeldern herumspringt, tritt in anderer Umgebung plötzlich ungewohnt seriös auf: in weißem Hemd und Anzugshose. Florian Taitsch, der sich in seinen Videos nur „Flo“ nennt, ist im Hauptberuf Kommunikations- und Marketingchef der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH.

Die Vermarktungseinheit sitzt in Hallbergmoos, in einem Gewerbegebiet im Münchener Norden, nicht weit vom Flughafen. Eine Produktion gibt es hier nicht, gebaut werden Eurofighter und Typhoon (wie das Kampfflugzeug im EU-Ausland heißt) bei Airbus , BAE Systems und Leonardo. Als er vor gut vier Jahren seinen Job hier antrat, fand Taitsch alles ganz schön angestaubt, wollte von Anfang an moderner sein.

„Wir haben ein geileres Produkt als Ferrari – aber es wurde jahrelang wie ein Staubsauger vermarktet“, sagt er. Social Media biete so viele Möglichkeiten. Viele Unternehmen würden aber noch immer „hölzern eine Pressemitteilung auf Instagram hochladen“.

Taitsch wagte etwas vollkommen Neues in einer Branche, die er selbst als die konservativste Deutschlands beschreibt: Er fing an, auf Messen und Airshows zu filmen, stellte sich selbst vor die Kamera. Mittlerweile ist seine „Fighter Show“ das erfolgreichste Social-Media-Format der europäischen Rüstungsindustrie: mehr als 23.000 Abonnenten bei Youtube, knapp 67.000 Follower bei Instagram. Das meistgeklickte Video, in dem Taitsch im Eurofighter mitfliegt, hat 1,8 Millionen Aufrufe.

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Co-Autor: Markus Fasse

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„Die Täter sind extrem leistungsfähig und einen Schritt voraus“

Cyber-Attacken legen ganze Produktionen lahm und treffen zunehmend auch den Mittelstand. Zwei Experten erklären, wie Firmen mit Erpressern verhandeln sollten – und sich besser schützen können.

Zug. Ransomware, also Erpressersoftware, gilt längst als eines der größten Geschäftsrisiken – nicht nur für Konzerne, sondern gerade auch für den deutschen Mittelstand. 2025 wurden laut dem Bundesinnenministerium 1041 Ransomware-Angriffe angezeigt, ein Plus von zehn Prozent zum Vorjahr.

Bei einer Ransomware-Attacke verschlüsseln Kriminelle komplette IT-Systeme und erpressen Lösegeld – meistens in Form von Bitcoin und häufig verbunden mit der Drohung, zuvor gestohlene Daten zu veröffentlichen.

Wie können Unternehmen sich dagegen wehren? Wie können sie in dieser Lage wieder die Kontrolle gewinnen? Und welche Fehler sind in den ersten Stunden besonders teuer? Das erklären die Krisenverhandler Michael Sjøberg, früher beim dänischen Militär auf Geiselnahmen spezialisiert, und Peter Skovbo, der das von Sjøberg gegründete Beratungsunternehmen Delta Crisis in der Schweiz führt, im Interview.

Herr Sjøberg, wenn ein Unternehmen Sie während eines Cyberangriffs anruft – was ist dann typischerweise schon schiefgelaufen?
Sjøberg: Das Hauptproblem ist: Die meisten glauben, sie hätten ein IT-Problem. Es ist logisch, dass es so aussieht, weil der Einstiegspunkt die IT ist. Aber Ransomware ist eine Krise für das gesamte Unternehmen.

Warum?
Sjøberg: In den meisten Fällen haben die Kriminellen auch sensible Daten gestohlen. Für deutsche Unternehmen, gerade im Mittelstand, kann das sehr schnell kritisch werden, auch weil viele Zulieferer für größere Konzerne sind.

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