Lisa-Marie Fassl hat unter anderem eines der größten Frauennetzwerke Europas aufgebaut. Sie beklagt die noch immer männlich dominierte Szene – besonders in Deutschland.
Wien. Eine Karriere im Gesundheitswesen wäre naheliegend gewesen: Die Mutter ist Krankenschwester, der Vater Gynäkologe. Doch Lisa-Marie Fassl wollte keine Verantwortung für Menschenleben, das erschien ihr zu groß. Dafür entscheidet die Österreicherin heute über nichts weniger als die finanzielle Zukunft von Dutzenden Unternehmerinnen. Viele würden auch das ziemlich groß, ziemlich verantwortlich nennen.
Fassl, 34 Jahre, gilt als eine der einflussreichsten Netzwerkerinnen und Wagniskapitalgeberinnen Europas. 2016 startete sie Female Founders zusammen mit Nina Wöss als Nebenprojekt. Heute ist es eines der wichtigsten Frauennetzwerke des Kontinents, zählt rund 85.000 Mitglieder. Ihr vor drei Jahren gelaunchter Fonds „FundF“ umfasst 28 Millionen Euro und ist an mehr als 20 Start-ups beteiligt, die mindestens eine Frau im Gründerteam haben, vier davon in Deutschland.
Fassl hat dadurch einen tiefen Einblick in Europas Start-up-Landschaft. Deutschland sieht sie sehr kritisch – das Land hinkt für sie bei Gründungen durch Frauen weit hinterher. Sie beobachtet auch einen noch immer vorherrschenden Sexismus in der Szene der Kapitalgeber. Doch dazu später mehr.
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