Unternehmensethiker Markus Scholz fordert eine klare Haltung gegen Populisten. Er erklärt, wie Firmen Verantwortung übernehmen können, ohne ihre Belegschaften zu spalten.
Herr Scholz, Sie nennen das politische Engagement von Unternehmen zugunsten der liberalen Demokratie eine „strategisch wichtige Investition“. Wieso?
Wenn man mit dem Ökonomen Milton Friedman argumentiert, ist das alles Diebstahl am Eigentum der Shareholder. Er würde sagen: Unternehmen haben genau eine Verantwortung – die Maximierung von Profiten. Ich finde: Die langfristig bessere Strategie ist es, als Unternehmen die liberale Demokratie zu schützen.
Warum?
Die offene Gesellschaft schützt Unternehmen in fundamentaler Weise. Sie gewährleistet Frieden und Freiheit und ist eine politische Ordnung, die Machtwechsel ohne Gewalt ermöglicht. Unternehmen profitieren von einklagbaren Rechten, unabhängigen Gerichten und einer öffentlichen Sphäre, in der freie Medien Missstände benennen können, etwa dann, wenn Firmen ungerecht behandelt werden. In autokratischen oder populistisch geführten Systemen werden demgegenüber zentrale Funktionsmechanismen der Marktwirtschaft häufig außer Kraft gesetzt.
Angebot und Nachfrage gelten dann nicht mehr?
Genau, erfolgreiches Wirtschaften hängt nicht mehr von der Qualität oder dem Preis eines Produkts ab, sondern häufig von der Nähe des Unternehmens zum Regime. Dies zerstört Wettbewerb, Innovationskraft und Investitionssicherheit. Jeder Bürger und insbesondere Entscheidungsträger in Unternehmen sollten sich bewusst sein, welches Privileg es bedeutet, in einer freiheitlichen und rechtsstaatlichen Gesellschaft arbeiten und wirtschaften zu können.
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