Europa reagiere zu zögerlich im Iran, kritisiert die Sicherheitsexpertin Claudia Major. Welche militärischen Lücken wir schließen müssten – und warum es keine deutsche Atombombe geben darf.
Frau Major, erleben wir mit den gegenseitigen Angriffen auf Gasanlagen in den vergangenen Tagen eine weitere Eskalation des Iran-Konflikts?
Ja, aber sie passt gleichzeitig in das Schema dieses Krieges. Der Iran kann militärisch gegen Israel und die USA nicht gewinnen. Deswegen war die Reaktion von Anfang an, horizontal zu eskalieren: den Krieg in die Breite zu tragen, auf andere Länder auszuweiten, die dann bitte den Druck auf die USA erhöhen, den Krieg auch zu politisieren.
Inwiefern?
Wenn ein Flughafen angegriffen wird oder ein Gasfeld, kommt der Krieg auch in die Parlamente, in die Aufsichtsräte. Weil die Straße von Hormus nur noch bedingt befahrbar ist, wirkt sich das direkt auf die Wirtschaft aus. Die Strategie des Irans, die Kosten des Krieges in die Höhe zu treiben, funktioniert offensichtlich.
Gefühlt stehen wir Europäer, wir Deutsche, wie Zuschauer neben diesem Konflikt. Sind wir der Politik Donald Trumps und Benjamin Netanjahus gerade komplett ausgeliefert?
Wir sind nicht nur Zuschauer, weil wir von den Folgen des Krieges direkt betroffen sind. Natürlich stimmt es, dass das nicht unser Krieg ist, und die Bundesregierung tut gut daran, zu sagen, dass er völkerrechtswidrig ist. Vieles, woran wir Europäer glauben, wird in diesem Krieg mit Füßen getreten. Wir kritisieren Russland für einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Da ist es natürlich schwer, jetzt den Krieg gegen den Iran zu unterstützen.
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