Warum immer mehr Menschen auswandern wollen

Frust über Bürokratie und schlechtes Wetter oder einfach die Sehnsucht nach einem freieren Leben: Immer mehr Menschen verlassen Deutschland. Aber finden sie in der Ferne wirklich ihr Glück?

Abenraa, Hamburg, München. Das Leben von Julia und Philipp Ramjoué verlief so geordnet wie eine Besteckschublade. Beide studierten, fanden gut bezahlte Jobs, sie als Leadership-Coach bei einem Energieversorger, er als KI-Entwickler bei einer Entwässerungsfirma. Sie kauften ein Haus in der Nähe von Augsburg, bekamen ein Kind. Das typische Deutschland-Drehbuch der gut situierten Mittelschicht.

Dann kam Corona – und das Paar fragte sich: Ist dieses Leben noch das, was wir eigentlich wollen? „Wir sind dann auf Selbstfindungsreise gegangen“, erzählt Julia, 32. Beide kündigten ihre Jobs und gründeten eine GmbH, um Natur und Arten mithilfe von KI zu schützen. Die administrativen Hürden dabei hätten sie extrem abgeschreckt, sagt ihr Mann Philipp, 33: „Wir wurden müder und müder in diesem System.“

Ab November 2022 verbrachte die Familie drei Monate in Tansania, um dem Pandemiealltag zu entfliehen. „Wir haben uns so sehr zu Hause gefühlt, wie wir das in Deutschland noch nie gespürt haben“, erinnert sich Julia. Seitdem sind sie immer wieder nach Tansania gereist.

Anfang dieses Jahres dann endgültig: Sie verkauften ihr Haus, ließen Freunde zurück. Mit ihrer sechsjährigen Tochter, Julias Mutter und zwei Katzen zogen sie nach Arusha, einer Stadt im Nordosten Tansanias. Hier wollen sie sich ihr neues Leben aufbauen, fernab von Bürokratie und Mittelschichts-Drehbuch.

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