Die Politologen Daphne Halikiopoulou und Tim Vlandas erforschen, warum rechtspopulistische Parteien so erfolgreich sind – und wie man sie schlagen kann. Gibt es den perfekten Gegenkandidaten?
München. Rechtspopulisten treiben die politische Agenda in ganz Europa: In Deutschland liegt die AfD in Umfragen teils vorn, im Osten stehen im Herbst richtungsweisende Landtagswahlen an. Im kommenden Jahr wird in Frankreich, Italien, Polen und Spanien gewählt – überall führen rechtspopulistische Parteien oder Hardliner in den Prognosen.
Gleichzeitig hat Ungarn erlebt, dass selbst scheinbar zementierte Machtverhältnisse kippen können, als Oppositionsführer Péter Magyar die Wahl gewann und die autoritäre Ära Orbán beendete. Was folgt daraus für Parteien der demokratischen Mitte in Europa?
Die Politikwissenschaftler Daphne Halikiopoulou und Tim Vlandas, die in Großbritannien lehren und forschen, analysieren seit vielen Jahren, welche Wählergruppen die radikale Rechte stark machen. Im Interview erklären sie, woher der Erfolg der Ultrarechten kommt – und mit welchen Strategien und Politikansätzen sie sich wieder zurückdrängen lassen.
Frau Halikiopoulou, Herr Vlandas, sind Sie in all den Jahren Ihrer Forschung auf eine Art Code gestoßen, wie sich die Rechtspopulisten in Europa politisch schlagen lassen?
Daphne Halikiopoulou: Man muss ihre Wählerkoalitionen aufbrechen. Viele denken, es gehe nur um Migration, also müsse man bei dem Thema nach rechts rücken. Unsere Befunde zeigen aber: Rechtspopulisten gewinnen, weil sie Koalitionen aus Wählern mit unterschiedlichen, meist auch materiellen Sorgen bilden. Etwa Lebenshaltungskosten, Wohnen, Jobsicherheit und Löhne, Zugang zu öffentlichen Leistungen, aber auch Enttäuschung über Regierungsleistung, Misstrauen gegenüber Institutionen. Wer die Rechten schlagen will, muss diese Koalitionen zerlegen – und nicht versuchen, sie mit antimigrantischer Rhetorik zu kopieren.
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