Hugendubel: „Wir sind nicht so gefährdet wie andere Händler“

Harte Konkurrenz durch Amazon und jetzt die Pleite des Partners Weltbild – Buchhändlerin Nina Hugendubel steuert ihr Unternehmen schon elf turbulente Jahre lang. Trotz Ungewissheit bereut sie den Schritt bis heute nicht.

München. Eigentlich ist Hugendubel ein Hoffnungsfall im deutschen Buchhandel: Das Weihnachtsgeschäft lief gut, das Onlinegeschäft legt weiter zu und auch der E-Book-Reader Tolino verkauft sich prächtig. Das Problem ist nur: Hugendubel hat sich mit dem falschen Partner eingelassen. Die Verlagsgruppe Weltbild musste am Freitag Insolvenz anmelden – und könnte nun auch das Münchner Familienunternehmen in Schwierigkeiten bringen.

Seit 2007 sind Hugendubel und Weltbild an der Holding Deutsche Buch Handelsgesellschaft (DBH) beteiligt, beide Seiten halten jeweils 50 Prozent. Wird Hugendubel nun einen Teil des Weltbild-Verlags kaufen? Wird es die DBH künftig überhaupt noch geben?

„Wir sind bereits in intensiven Gesprächen mit unseren Geschäfts- und Finanzierungspartnern“, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin Nina Hugendubel im Gespräch mit Handelsblatt Online (vollständiges Interview zum Download). Für eine endgültige Aussage sei es zu diesem Zeitpunkt aber noch viel zu früh. Zumindest auf den Geschäftsbetrieb soll die Insolvenz keine unmittelbaren Auswirkungen haben.

Es sind keine einfachen Zeiten, durch die die Geschwister Hugendubel den altehrwürdigen Buchhändler gerade navigieren müssen. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 2005 übernahmen Nina und Maximilian Hugendubel die Geschicke des Unternehmens, bereits seit 2003 sitzen sie in der Geschäftsführung. Vater Heinrich revolutionierte den Buchmarkt 1979 noch mit vergleichsweise einfachen Mitteln: Er eröffnete am Münchner Marienplatz eine Filiale mit vier Stockwerken, Rolltreppen, Leseinseln und freiem Zugang zu den Büchern – damals ein Novum im Handel. Zuvor glich ein Einkauf im Buchladen eher dem Gang zur Apotheke.

Nina Hugendubel: „Amazon ist ein guter Internetshop mit einem richtig guten Service“

Heute ist das Geschäft schwieriger geworden, nicht zuletzt dank Amazon. Für Nina Hugendubel sei der große Konkurrent „einfach ein guter Internetshop mit einem richtig guten Service“ – das müsse man neidlos anerkennen. Trotzdem sieht sie für Hugendubel riesige Chancen. „In den Filialen ist der persönliche Kontakt zu den Kunden unser Vorteil“, erklärt sie. Die Menschen würden auch heute noch gern in die Geschäfte kommen und sich beraten lassen.

Auch in anderen Branchen gebe es diese Beratung, die Preise im Internet seien dann aber meist viel niedriger. Die Kunden würden die kostenlose Beratung mitnehmen – und dann bei Amazon kaufen. Zumindest dieses Problem hätten die deutschen Buchhändler nicht: das Zauberwort heißt Preisbindung. Ein neues Buch bei Amazon kostet genau so viel wie ein Buch im Laden. „Dadurch sind wir nicht so sehr gefährdet wie andere Händler“, sagt Nina Hugendubel.

Die 43-Jährige hat bisher jede Herausforderung angenommen. Sie ebnete den Weg in die erfolgreiche E-Book-Reader-Allianz Tolino. Das gemeinsam mit Weltbild, Thalia, Club Bertelsmann und Telekom entwickelte System ist die deutsche Alternative zu Amazons Kindle – und gewinnt immer mehr Marktanteile. Im dritten Quartal 2013 wurden 37 Prozent aller elektronischen Bücher auf dem Tolino gelesen, Amazons Anteil liegt damit nur noch bei 42 Prozent. Hugendubel erwartet bald ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Auch ins Internetzeitalter hat Nina Hugendubel das mehr als 120 Jahre alte Unternehmen geführt. Für den Vater war das Netz noch mehr ein Service- als ein Vertriebskanal. „Ich habe sehr lange dafür gekämpft, dass wir den Schwenk vollziehen“, sagt Nina Hugendubel.Lange Zeit nahmen selbst die Mitarbeiter die eigene Homepage als Konkurrenz wahr – und schickten die Kunden lieber zu Amazon. Zeitweilig experimentierte Hugendubel auch mit neuen Produktgruppen wie Nuckelflaschen und Töpfchen. „Auch Klobürsten gab es mal“, sagt Hugendubel. „Das war alles ein bisschen weit weg vom Buch.“

Hugendubel bereut den Eintritt ins Unternehmen des Vaters bis heute nicht

Die Zeiten hat Hugendubel längst hinter sich gelassen, die digitale Wende ist gelungen, das Internetgeschäft wächst. Wenn auch noch auf sehr niedrigem Niveau. Der Online-Umsatz ist noch immer nicht vergleichbar mit dem Umsatz einer großen Filiale wie am Marienplatz. „Da sind wir aber dran“, sagt Nina Hugendubel. Das Wachstum liege deutlich über den Planungen.

Trotzdem: Noch immer befindet sich das Unternehmen in einer Konsolidierungsphase. Einige Filialen wurden in den vergangenen Jahren geschlossen, Verkaufsflächen verkleinert. Neue Märkte sollen in nächster Zeit nicht eröffnet werden. Und auch im Ausland schauen die Hugendubels derzeit nicht gezielt nach Investitionsmöglichkeiten.

Nun kommt auch noch die Weltbild-Pleite dazu. Elf turbulente Jahre ist Nina Hugendubel nun schon im Geschäft – bereut hat sie es bis heute nicht. „Es war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt die zweifache Mutter. „Ich mag Veränderungen, ich gestalte gern mit und deswegen ist das jetzt eine große Chance.“

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